Sektsteuer – Was, wie hoch und warum?

von Ina-Johanna Becker

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Sektsteuer Schaumweinsteuer

Mehrwertsteuer, Ökosteuer und Hundesteuer – neben zahlreichen anderen Steuern muss der Endverbraucher auch bei Schaumweinen eine gewisse Sektsteuer an den Bund abtreten. Doch woher kommt die Sektsteuer eigentlich und wie hoch ist der Steuerbetrag pro Flasche? Wir haben für euch die wichtigsten Fakten zusammengetragen, die ihr zum Thema Schaumweinsteuer kennen solltet.

Was ist die Sektsteuer?

Bei jeder Flasche Schaumwein wird die Sektsteuer fällig. Sie gilt laut Steuergesetz als Verbrauchssteuer. Wer also eine Flasche vom schäumenden Getränk erwirbt, zahlt die Steuer bei jeder Flasche mit. Die Sektsteuer wird vom Staat beim Produzenten eingefordert, sobald der fertige Sekt das Lager verlässt. Der Erlös wird komplett an den deutschen Fiskus abgetreten. Ursprünglich wurde die Schaumweinsteuer nur bei Schaumweinen fällig, also Sekt oder Sektarten, mittlerweile gibt es aber auch andere Getränke, auf welche die Schaumweinsteuer angewendet wird. Perlweine gehören übrigens nicht dazu.

Wie hoch ist die Sektsteuer?

Pro Flasche Sekt (0,75 l) zahlt ihr als Verbraucher 1,02 Euro Sektsteuer. Umgerechnet auf einen Hektoliter sind das 136 Euro. Die Schaumweinsteuer ist dabei betragsmäßig genau festgelegt.

Worauf solltet ihr beim Kauf einer Flasche Sekt achten: Ist der “gute Wachenheim” oder “Rotkäppchen” Sekt mal wieder für 2,45 Euro im Angebot? Denkt immer daran, dass pro Flasche 1,02 Euro abzuziehen sind, die der Produzent nicht für sich behalten darf. Zieht man noch die Kosten der Flaschenausstattung und natürlich die Mehrwertsteuer ab, bleibt oft nur noch erbärmlich wenig für den Produzenten übrig. Da bleibt für die Qualität des entsprechenden Grundweins nur sehr wenig Spielraum.

Warum gibt es eine Sektsteuer?

1902 wurde die Schaumweinsteuer durch Kaiser Wilhelm II. eingeführt. Das Geld für den Bau des Kaiser-Wilhelm-Kanals und der Kriegsflotte war knapp, da wurde kurzerhand eine Sektsteuer vollstreckt. Zwischen 1933 und 1939 setzte man die Sektsteuer ab, um den Konsum zu fördern. Denn eine schwere Wirtschaftskrise suchte die Sektindustrie heim. 1939 wurde sie wieder eingeführt.

Die Flotte von Kaiser Wilhelm II gibt es längst nicht mehr, die Schaumweinsteuer ist uns aber erhalten geblieben.

Gibt es sektsteuerfreie Alternativen?

Wer Perlen trinken möchte, aber bitte sektsteuerfrei, findet eine Alternative bei Perlweinen oder Seccos (Perlwein trocken). Ursprünglich wurde die Schaumweinsteuer nur bei Schaumweinen fällig, also Sekt oder Sektarten, mittlerweile gibt es aber auch andere Getränke, auf welche die Schaumweinsteuer angewendet wird. Perlweine gehören nicht dazu. Perlwein ist ein Zwischenprodukt zwischen Stillwein und Sekt. Die Abgrenzung geschiet durch Festlegung der Kohlensäuregehalte, die bei Perlwein zwischen 1 und 2,5 bar liegen. Bei Sekt sollten es über 3 bar sein.

Über Ina-Johanna Becker

Die besondere Nähe zur Produktion von Wein im elterlichen Weingut und die sehr versierte Orientierung zu einer wirtschaftlichen Ausbildung legten den Grundstock für YouWine.

2 Gedanken zu Sektsteuer – Was, wie hoch und warum?

  1. Zappenduster Antworten 28. Juli 2015 at 16:25

    In Österreich haben wir dieses wunderbare Relikt ja letztes Jahr wieder ausgegraben. Mit dem Ergebnis von sagenhaften sechs Millionen. Zur Erinnerung: In der Gesetzesvorlage wurde mit 35 Mio gerechnet. Dumm gelaufen… Wenn man sich die Rechnung hier mal anschaut, wird einem schon klar, dass das Ding von vornherein zum Scheitern verurteilt war: http://www.industry-press.com/sektsteuer-bringt-oesterreich-zum-schaeumen/ Eigentlich unfassbar wie man reele Zahlen so schönrechnen kann. Gebracht hat`s am Ende nichts…

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  2. Heiko Jürgens Antworten 26. Juli 2019 at 17:29

    Was geht ab in unserem gelobten Land 🤮🤮

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