Lidl’s neue Weinkompetenz – Lidl Wein bis 5 Euro im Test – Teil 1

von Torsten Proschwitz

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Lidl Weine im Test

Seit Oktober wartet Lidl mit einer Vielfalt an französischen Weinen auf. 370 verschiedene werden im Lidl-Onlineshop feilgeboten. Aber was taugen diese? YouWine macht den Lidl-Wein-Test. Wir sind dieser Frage nachgegangen und haben uns stichprobenartig französische Tropfen aus dem umfangreichen Angebot ausgewählt. Dabei wurden auch verschiedene Preisklassen getestet. In diesem Beitrag stellen wir euch zwei Lidl-Weine in der Preisklasse bis fünf Euro vor.

Der Lidl Wein in der heiligen Holzkiste

Man muss schon sagen. Die Präsentation machts! Seit der Discounter sein Weinsortiment erweitert und umstrukturiert hat, erstrahlt die Weinabteilung in einem neuen Licht. Für einen “Billig-Supermarkt” wirkt das schon recht beeindruckend. Die guten Tropfen werden jetzt in offenen Holzkisten aufbewahrt. Schön arrangiert, mit kurzen Beschreibungen und öfters auch mal mit der Punktzahl ihres neuen Meisters Richard Bampfield versehen.

Da muss Richard (oder wer auch immer diesen Wein beschrieben hat) einen anderen Rotwein im Glas gehabt haben.

Richard Bampfield trägt als Weinkenner den Titel Master of Wine. Diesen bekommt man wahrlich nicht hinterher geworfen. Und ein solcher bepunktet jetzt “unabhängig” die Lidl-Weine? Nunja, bekanntlich ziehen sie, die Auszeichnungen wie Punkte, Medaillen, Trauben und was sonst noch so (verramscht) vergeben wird. Außerdem, dass sich hochdekorierte Weinexperten an die Discounter und Supermärkte verkaufen, ist ja auch nicht wirklich etwas Neues. Kommen wir lieber zum Lidl-Wein-Test.

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Château du Vieux Puit Cuvée Valette – Côtes de Bordeaux AOC 2011

Beginnen wir dem Roten. Einem Bordeaux zum Preis von 4,99 Euro. Die Erwartungen sind nicht sonderlich hoch, aber für 5 Euronen kann man schon etwas Trinkbares erwarten.

“Kraftvoller dichter Wein mit intensivem Duft von Schwarzen Johannisbeeren. Am Gaumen ist er straff mit seidigen Tanninen und einem feinen Geschmack nach Beeren, Lorbeer, Rosmarin, Bitterschokolade mit erdig-mineralischem Abgang.” (Lidl.de)

Nein, nein, nein, leider nein – also wirklich gar nicht! Diese Weinbeschreibung, welche ich dem Lidl-Online-Shop entnommen habe, trifft auf diesen Wein zu NULL Prozent zu. Da muss Richard (oder wer auch immer diesen Wein beschrieben hat) einen anderen Rotwein im Glas gehabt haben. Oder was viel näher liegt, niemand der Lidl-Crew hat diesen Wein jemals verkostet. Ein reiner Marketingtext.

Lidl Weine im Test

Lidl Wein im Test

 

So schmeckt Château du Vieux Puit

Der Lidl-Wein wirkt absolut dünn. Also kein kraftvoller, dichter Wein, wie vom Discounter beschrieben. Eher wässrig – tatsächlich als hätte jemand Wasser hinein gekippt. Dabei ist er auch recht adstringent. Die Aromatik ist da schon leicht besser. Zu Beginn ist der Wein noch sehr verschlossen. Kühl wirkt der Bordeaux, auch etwas würzig. Mit mehr Luft gesellt sich eine fleischige Kirschfrucht dazu. Am zweiten Tag kann ich tatsächlich auch den beschriebenen Rosmarin feststellen. Allerdings so schnell, wie er an den Gaumen kommt, so schnell ist er auch wieder weg. Ein absoluter Bluffer oder auch “der kürzeste Wein der Welt”.

Dieser Lidl-Wein ist ein Wein, der einfach keinen Trinkspaß aufkommen lassen will.

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Zum Teil 2 des Lidl-Wein-Tests

Über Torsten Proschwitz

Während seiner Ausbildung zum Restaurantfachmann und als Weinkellner entdeckte Torsten seine Leidenschaft zum Wein. Anschließend führte ihn die Weinleidenschaft nach Geisenheim, wo er an der rennomierten Hochschule für ...

2 Gedanken zu Lidl’s neue Weinkompetenz – Lidl Wein bis 5 Euro im Test – Teil 1

  1. Christian Beyer Antworten 28. März 2016 at 16:10

    Monsieur Proschwitz,

    schauen Sie mal in den Guide Hachette des Vins. Da hat der Château du Vieux Puit, allerdings 2012er, einen von drei möglichen Sternen, und eine ziemlich gute textliche Bewertung.

    Im Übrigen ist es so, dass die Kommentare irgendwelcher Weinpäpste wie Richard Bampfield oder auch Robert Parker so gut wie wertlos sind. Bampfield und Parker sind auch noch Engländer, wie sollen die was von Bordeaux oder sonstigen französischen Weinen verstehen ?

    Desgleichen kann man Auszeichnungen wie “Berliner Wein Trophy” (hat der Vieux Puit 2011 von Lidl übrigens auch) getrost in die Tonne treten. Begründung gleich : Keine Ahnung von Wein.

    Die Auszeichnungen, die was zählen, das sind die französischen, z.B. die Médailles du “Concours des vins de Mâcon”, oder z.B. die des „Concours Général Agricole-Paris“.

    Diese Auszeichnungen haben deswegen Aussagekraft, weil die Franzosen nämlich einen gut zertifizierten Wein, der trotzdem miserabel ist, dem Weinhändler bzw. dem Zertifizierer auf den Kopf hauen würden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Christian Beyer

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    • Torsten Proschwitz Antworten 30. März 2016 at 10:30

      Danke für Ihr Kommentar und die gute Ergänzung des Beitrags! Allerdings denke ich doch, muss man nicht zwingend Franzose sein, um französischen Wein beurteilen zu können 😉

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