Die fünf dümmsten Weinirrtümer

von Torsten Proschwitz

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Im Wein liegt zwar bekanntlich Wahrheit, allerdings verbreiteten sich im Laufe der Zeit viele Wein-Irrtümer. Wir wollen etwas Licht in die Märchenwelt der Weinmythen bringen.

Weinirrtum 1: Von süßen Weinen bekommt man Kopfschmerzen

Totaler Quatsch! Der Kopfschmerz am Tag danach kommt davon, dass man am Tag zuvor gut zugelangt und zu wenig Wasser getrunken hat. Alkohol wirkt dehydrierend – Acetaldehyd (als erstes Abbauprodukt des Alkohols) ist sehr gut wasserlöslich und dringt direkt ins Gewebe ein. Dort erweitert es die Gewebezellen, so dass diese Wasser freigeben. Dieser Effekt der Entwässerung macht sich auch im gut durchbluteten Gehirn bemerkbar. Da Wasser dort nicht direkt entweichen kann entsteht ein Überdruck, der als Kopfschmerz wahrgenommen wird. Um dem Körper wieder Wasser zu zuführen, ist es wichtig immer ein Gläschen Wasser zum Wein zu trinken. So kann der berühmte „Kopf“ am nächsten Tag verhindert oder zumindest verringert werden.

Weinirrtum 2: Schwefel ist verantwortlich für Kopfschmerzen

Auch das ist nicht richtig. Wie eben beschrieben bestimmt die Alkoholmenge den Grad des „Katers“. Allerdings auch die sogenannten „Fuselalkohole“. Diese kommen allerdings heutzutage bei unseren Weinen und normaler Vergärung in vernachlässigbaren Mengen vor.

Der zulässige Schwefelgehalt sorgt jedenfalls nicht für Kopfschmerzen. Im Durchschnitt muss man im Wein mit Konzentrationen von 100 bis 200 mg/l SO2 rechnen, wobei die Mengen verständlicherweise vom Restzuckergehalt des Weines sowie der Weinart (Weiß/Rot/Rosé) abhängen.

Entrümpeln Sie Ihre alten Gedankengemäuer! Wir räumen auf mit alten Weinmyten.
Torsten Proschwitz M. Sc.
Weinirrtum 3: Ein Wein mit Schraubverschluss kann keinen Korkton besitzen

Riesen Weinirrtum! Wie oft hört man abfälliges Gelächter von sich überschätzenden Gästen mit gefährlichem Halbwissen in Restaurants beim Öffnen einer Flasche Wein mit „Alternativverschluss“ durch einen Kellner? Sätze wie: „HAHA! Probieren Sie den mal auf Kork! HAHA“ oder „Der hat doch nen Glaskorkton! HAHAHA“ – nun, zu früh gefreut!

Selbstverständlich kann auch einen Wein der NICHT mit einem Naturkorken verschlossen wurde, einen Korkschmecker enthalten. Verantwortlich für den Korkgeruch und -geschmack ist der Stoff 2,4,6-Trichloranisol (TCA).

Korkmuff im Wein trotz Flasche mit Schraubverschluss?

Ja – der Grund hierfür ist, dass im Weinkeller mit chlorhaltigen Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln gearbeitet wurde, während die Weine in Tanks oder Fässern lagerten. Der Wein kann diese chlorhaltigen Stoffe zum einen aus der Luft und zum anderen durch den direkten Kontakt aufnehmen. Ja manchmal setzen sich diese sogar in den Wänden fest. Der “Korkton” kann sich also bereits vor der Abfüllung im Wein befinden.

Weinirrtum 4: Alte Rotweine müssen dekantiert werden!
Dieser Teil der Wein-Irrtümer beruht auf der Annahme, dass Wein atmen muss damit er seine Aromen voll entfalten kann. Dekantieren meint allerdings den Wein von Trubstoffen zu trennen. Karaffieren ist der richtige Begriff, der bedeutet den Wein in ein bauchiges Gefäß umzufüllen. Die dabei einwirkende Luftzufuhr ist aber bei älteren Weinen meist gar nicht sinnvoll – ja es kann sogar negative Auswirkungen haben! Man sagt: Der Wein „kippt um“.

Die Luftzufuhr ist bei jungen Weinen sinnvoll, welche voluminös, fett und modern sind oder reduktiv vinifiziert wurden. Ältere Weine haben durch ihre Lagerung bereits per se viel Sauerstoff abbekommen. Bei diesen empfiehlt sich ein Probeschluck um zu Prüfen ob der Wein noch verschlossen ist. Sinnvoll ist das Dekantieren bei älteren Weinen um den Depotsatzes zu entfernen.

Weinirrtum 5: Ein Wein mit der Bezeichnung „Alte Reben“ ist ein besserer Wein

Das kann man so generell leider nicht sagen. Genauso wie auch teurere Weine nicht unbedingt besser sein müssen. Erst einmal ist der Begriff „Alte Reben“ weinrechtlich laut EU Verordnung auf mindestens 25 Jahre festgelegt. Weitere Einschränkungen sind in nationaler Gesetzgebung möglich. Im Alltagsgebrauch ist es allerdings so, dass keiner genau weiß wo alt anfängt und wo alt aufhört. Es ist zwar richtig, dass ältere Weinstöcke weniger Ertrag liefern, und ein geringerer Ertrag i.d.R. mit einer besseren Qualität der übrigen Menge einhergeht, allerdings kann man natürlich auch von Trauben alter Rebstöcke Schrott produzieren. 😉

Des Weiteren gibt es auch Sorten, wie z.B. den Sauvignon Blanc, bei welchen zu alte Rebstöcke gar nicht empfehlenswert sind. Die typischen Aromen dieser Sorte, wie grünes Gras, Stachelbeere oder grüne Paprika werden durch das sogenannte Methoxypyrazin hervorgerufen. Leider kann sich dieser Stoff mit den Jahren abbauen, so dass in der Regel Weinberge mit Sauvignon Blanc früher als andere Rebanlagen gerodet und wieder bepflanzt werden.

Was sagt uns das? „Alte Reben“ ist in erster Linie ein Marketingbegriff und kein Qualitätsmerkmal.
Torsten Proschwitz M. Sc.

© beeboys / fotolia.de

Über Torsten Proschwitz

Während seiner Ausbildung zum Restaurantfachmann und als Weinkellner entdeckte Torsten seine Leidenschaft zum Wein. Anschließend führte ihn die Weinleidenschaft nach Geisenheim, wo er an der rennomierten Hochschule für ...

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