Satire: Das Weinwort zum Sonntag – Der Dornfelder-Hasser

von Torsten Proschwitz

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Weinwort zum Sonntag

Über eine Rebsorte ohne Berechtigung in der deutschen Weinwelt

Guten Tag lieber Weinfreund,

ich bin es der Dornfelderhasser. Ich hasse den Dornfelder. Er kann mir gestohlen bleiben. Ich bin sicher Sie verstehen mich – Ihnen geht es doch genauso? Im Laufe meiner beruflichen Karriere, als auch im Privaten habe ich schon viele Weine probiert – ach, was sage ich! Fast alles ist mir schon die Kehle runtergeflossen. Deshalb kann ich auch mit Fug und Recht behaupten: Dornfelder ist Mist! Wer braucht diesen Rotwein? Ich nicht. Was ist Dornfelder? Ein Massenträger. Wer diesen anbaut, hat doch nur eins im Sinn: Soviel wie möglich Geld verdienen mit minderwertiger Qualität! Denn seien wir mal ehrlich, außer einer dunklen Farbe hat dieser doch nichts zu bieten!

Dieser Dornfelder war so hoch konzentriert und gleichzeitig von filigraner Frucht, dass mir fast das Frühstück wieder hoch gekommen wäre!

Selbsternannte Weinexperten

Es soll ja ein paar junge, selbsternannte Weinexperten geben, welche Weine aus der Rebsorte Dornfelder sogar EMPFEHLEN! UNFASSBAR! Diese mickrigen Kleingeister wollen mir doch ernsthaft erzählen, dass es Dornfelder-Weine geben soll die es wert wären erwähnt zu werden. Das ich nicht lache! Ein befreundeter Sommelier schleppte mir letztens einen Wein vom Weingut Gutzler an. Er dachte wohl mich damit überzeugen zu können. Ich dachte mir, “auch noch ein Dornfelder von 2007! Will er mich vergiften mit dieser alten Plörre?” Tiefdunkel war er, dieser Wein. Geschmeckt hat er nach einem Potpourri aus schwarzen Früchten, wie reifen Brombeeren, Heidelbeeren und Blaubeeren sowie Gewürzen. WIDERLICH! Dazu kamen ABSTOßENDE Nuancen von Dill, Minze und Lakritz sowie EKEL ERREGENDE Aromen aus dem Barrique wie Eiche, Tabak, schwarze Schokolade und Laugengebäck. Dieser Dornfelder war so hoch konzentriert und gleichzeitig von filigraner Frucht, dass mir fast das Frühstück wieder hoch gekommen wäre!

Winzer Gutzler schämt sich für seinen Wein 😀

2007 Flur 1 Nr. 361

Ich hatte es mir schon gedacht: Weil sich Winzer Gutzler für seinen Wein derart schämt, hat er gleichmal auf die Erwähnung der Rebsorte bei seinem Wein verzichtet. Er nennt ihn statt dessen nur Flur 1 Nr. 361 – was für ein dämlicher Name! Bewusst wurde hier auf die Nennung der Rebsorte verzichtet um eine Vorverurteilung zu vermeiden, die nun im Nachhinein nicht zu vermeiden war.

Ach, da fällt mir ein – dass man von diesen Hohlpiepen des Gault Millau auch nichts halten darf, zeigt dass sie diesem Wein unglaubliche 88! Punkte gegeben haben. Offensichtlich war ihre Wahrnehmung getrübt vom Dornfelder!

Dornfelder? Bleib mir weg damit!

Mein Fazit: Diese Rebsorte ist zu Recht in Verruf geraten! Selbst bei korrekter Pflege des Weinbergs, rigorosem Anschnitt und konsequenter Ertragsbegrenzung liefert der Dornfelder nichts anderes als entsetzlich unappetitliche Weine. Aber urteilen Sie selbst! Was ich Ihnen aber als Experte der Experten, raten muss: Wer Ihnen Dornfelder empfiehlt, hat nicht die leiseste Ahnung von Wein und sein vinophiles Fachwissen aus dem Super Schoppen Shopper. Glauben Sie ihm bloß nicht!

p.s.: Mir ist zu Ohren gekommen, dass wohl auch noch andere NARREN versuchen, trinkbare Weine aus Dornfelder zu vinifizieren. Diese Weingüter sollen teils gar dem “VDP” angehören – dem “Verband Deutscher Phantasten” :) die können nicht zwischen Wunschtraum und Wirklichkeit unterscheiden.

In diesem Sinne, lieben deinen Nächsten, aber niemals einen Dornfelder!

Über Torsten Proschwitz

Während seiner Ausbildung zum Restaurantfachmann und als Weinkellner entdeckte Torsten seine Leidenschaft zum Wein. Anschließend führte ihn die Weinleidenschaft nach Geisenheim, wo er an der rennomierten Hochschule für ...

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